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Schwedische Einflüsse in Bayern


> Geschichtsecke <

Auf dieser Seite erfahren Sie Einiges über die schwedischen Einflüsse in Deutschland und Bayern - zusammengestellt von Marianne Balder:


Gustav II. Adolf,
König von Schweden,
in München


von Marianne Balder

Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) ist nicht überraschend ausgebrochen. Der Kampf um die Macht in Europa beginnt bereits Anfang des 17. Jahrhunderts. Bestimmte Interessenallianzen deutscher protestantischer und katholischer Einzelstaaten spielen hier eine Rolle.

Zum eigentlichen Anlass des Krieges wird der Prager Fenstersturz, als Mitglieder der selbstbewusst gewordenen böhmischen Stände im Mai 1618 in den Hradschin eindringen und einen vorgefertigten Urteilsspruch gegen königliche Beamten verlesen, um sie dann kurzerhand aus dem Fenster zu stürzen.
Die Bestraften landen jedoch unversehrt auf einem Misthaufen und können entkommen. Die Katholiken sehen das als ein Zeichen des Himmels an.

In den Jahren 1618 bis 1629 tobt der Krieg vor allem im Norden Deutschlands. 1630 erhält er durch Eingreifen des schwedischen Königs Gustav II. Adolf neue Nahrung. Im März 1632 dringen die Schweden zum ersten Mal bis nach Bayern vor. Der kaiserliche Feldherr Tilly wird einen Monat später bei Rain am Lech vernichtend geschlagen, zwei Wochen danach stirbt er in Ingolstadt. Ganz Süddeutschland steht nun den schwedischen Truppen offen.

Während am Pfingstsonntag während des Gottesdienstes eine schwedische Reiterabteilung kampflos die Festung München einnimmt, beordert der bayerische Kurfürst Maximilian einige Tausend Mann der Truppen bei Regensburg zur Hauptstadt. Er selbst begibt sich nach Salzburg.
Am folgenden Tag, dem 17. Mai, nähert sich König Gustaf Adolf mit einigen protestantischen deutschen Fürsten von Ismaning kommend der Stadt und hält feierlichen Einzug. Es heißt, dass etwa in der Gegend des Maximilianeums Bürgermeister Ligsalz den schwedischen König kniend mit dem Stadtschlüssel erwartet. Der König ist hingerissen von der Schönheit der Stadt, der kurfürstlichen Residenz und den prachtvollen Gebäuden. München, soll Gustav Adolf damals gesagt haben, stelle sich ihm als ein goldener Sattel auf einer dürren Mähre dar. Also möchte er auch hier Geld. 300.000 Gulden, was etwa dem Preis von 20.000 Pferden entspricht, sollen es sein.
So reich sind die Kassen aber nicht gefüllt, nur etwa die Hälfte kann an Geld und Juwelen zusammengebracht werden. Als Pfand für die verbleibende Schuld wird die Auslieferung von 42 Geiseln verlangt. Es dauert drei Jahre, bis die Geiseln im April 1635 ihre Freiheit wieder erlangen.
Die Truppen lagern in der Umgebung Münchens. In der Stadt verhalten sie sich auf persönliche Anweisung des Königs diszipliniert. Drei Soldaten werden sogar wegen Plünderns öffentlich gehängt.
Gegen Ende Mai 1632 verlässt Gustav Adolf München und zieht weiter. Er führt viel Beutegut mit sich: Aus der Bibliothek und der Bildersammlung werden kostbare Stücke mitgenommen. Das, was er am liebsten mitgenommen hätte, muss er allerdings zurücklassen. Er soll gesagt haben, stünde die Residenz auf Rädern, würde er sie nach Stockholm rollen.

Bis Mitte Juni 1632 ziehen die Schweden ihre Hauptstreitmacht aus Südbayern wieder ab, im Westen bleiben aber starke Einheiten präsent, so dass es weiterhin zu Scharmützeln kommt. Und das was nachkommt ist auch nicht besser. In Aufzeichnungen heißt es: "verderbenß, so durch freundt: und Feindts Volckh geschechen". Kaiserliche Einheiten, die sich im Umland von München breitmachen, nehmen der Landbevölkerung ab, was den Besuch der Schweden überstanden hat.
Mit Wallenstein, der nach Tillys Tod den Oberbefehl über die kaiserlichen Truppen hat, sehen sich die Schweden zum ersten Mal seit ihrem Eingreifen in den Krieg einem gleichwertigen Gegner gegenüber. Als Gustav Adolf von Süden kommt, um eine Entscheidungsschlacht herbeizuführen, stellt Wallenstein sich am 16. November 1632 nahe bei Lützen dem Kampf. Der schwedische König gerät in eine Schar feindlicher Kürassiere und findet dabei den Tod.

1635 greift Frankreich auch direkt in den Krieg ein, und spätestens ab 1640 gewinnt die schwedisch-französische Allianz die Überhand. Ab 1644 kommt es zu regelmäßigen Friedensverhandlungen in Osnabrück und Münster. Doch gerade in den Jahren 1646 und 1648 wird Bayern noch einmal zum Operationsgebiet großer Armeen, auch die Gegend südlich von München ist davon betroffen.

Am 24. Oktober 1648 wird der "Westfälische Friede" unterzeichnet. Schweden und Frankreich haben künftig das Recht als ausländische Mächte in deutschen Reichsangelegenheiten mitzureden.

Mitten in München - auf dem Marienplatz - erinnert heute die Mariensäule (siehe Bild oben) an das Geschehen vor 375 Jahren:
Als die Schweden 1632 Bayern besetzen, gelobt Kurfürst Maximilian (siehe Bild rechts unten) ein gottgefälliges Werk zu leisten, wenn Hauptstadt und Land vor Zerstörung bewahrt würden. Nach seiner Rückkehr nach München entscheidet er, eine Säule mit dem Bild Marias auf dem Schrannenplatz (heute Marienplatz) zu errichten. Die Statue der Muttergottes (siehe Bild links unten), die bereits Ende des 16. Jahrhunderts geschaffen worden war, erweist sich als ideale Krönung der Gedächtnissäule.

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Durch die Inschriften, die Maximilian am Sockel anbringen lässt, bezieht er sein Heer und sein eigenes Haus in den Dank an die Gottesmutter mit ein.
Am 7. November 1638 wird die Säule vom Freisinger Fürstbischof Veit Adam von Gepeckh feierlich geweiht.


Literatur: Wittelsbach und Bayern, Ausstellungskatalog 1980, Bd. I 2 und II 2

 

 


Kurz-Info zu Gustav II. Adolf, König von Schweden

 

geb. 19.12.1594 in Stockholm 
gest. 16.11.1632 bei Lützen

Schwedischer König (seit 1611), der Sohn von Karl IX. und seiner zweiten Frau Christina von Holstein, Enkel von Gustav I. Eriksson Wasa wurde nach dem Todes seines Vaters im Alter von 17 Jahren 1611 - gegen Garantie umfassender ständischer Rechte, v.a. der konstitutionellen Mitwirkung des Adels an der Regierung Schwedens -, durch den Reichstag für mündig erklärt.
Er übernahm das Land in einer schwierigen Situation: Da sein Vorgänger, Karl IX., durch Kriege mit Rußland und Dänemark die schwedischen Kräfte gebunden und durch den Sieg über seinen Neffen, den katholischen Sigismund III. Wasa von Polen-Schweden (1598) den schwedischen Throne unzugänglich gemacht hatte, drohten neben polnischen militärischen Aktionen auch Anstrengungen der älteren Wasa-Linie im Inneren zur Durchsetzung der Thronansprüche.
In den Friedensschlüssen von Knöred (1613) und Stolbowo (1617) beendete Gustav Adolf die Kriege mit Rußland und Dänemark. Jetzt konnte er ungehindert gegen Sigismund vorgehen, der trotz der Unterstützung durch Kaiser Ferdinand II. im polnisch-schwedischen Waffenstillstand (1629) den Verlust Livlands hinnehmen mußte. Das Vordringen der habsburgisch-kaiserlichen Macht in den Ostseeraum beunruhigte ihn, so daß er beschloß, in den Dreißgjährigen Krieg einzugreifen. Zu einem erster Zusammenstoß zwischen kaiserlichen und schwedischen Truppen kam es 1628 bei der Belagerung von Stralsund. Das Zusammenwirken mit der französischen Politik unter Kardinal Richelieu, das im Vertrag zu Börwalde (1631) seinen Niederschlag fand, ermöglichte es Gustav Adolf, die am 4.7.1630 mit der Landung in Pommern (auf der Insel Usedom) begonnene Offensive fortzusetzen. Trotz viele Schwierigkeiten besiegte er die kaiserlichen Truppen in allen Schlachten (u.a. 1631 bei Breitenfeld in der Nähe Leipzigs), bis er bei Lützen in einer Schlacht gegen Albrecht von Wallenstein fiel (16.11. [nach dem damals in Schweden gültigen julianischen Kalender 6.11.] 1632). Mit der Erkämpfung des Dominium maris Baltici hat er die Basis für eine schwedischen Großreichsbildung geschaffen. Nachfolgerin auf den schwedischen Thron wurde seine Tochter Christine.

Quelle