Per Wahlöö (Tipp 9/26)
Vor 100 Jahren, am 5. August 1926, wurde in Tölö (Halland) der Schriftsteller Per Fredrik Wahlöö (rechtes Bild – Quelle: Wikimedia/Göteborgs Handels- och Sjöfartstidning 19.8.1968) geboren. Per Wahlöö studierte Geschichte an der Universität Lund und arbeitete danach als Journalist, vornehmlich als Polizeireporter, als Schriftsteller und Übersetzer. Wahlöö war einer der dreizehn schwedischen Autoren, die 1971 die Svenska Deckarakademin gründeten. Diese Organisation zur Förderung der Literatur, speziell des Genres der Detektiv- und Kriminalromane und der zugehörigen Fachliteratur, vergibt seit ihrer Entstehung den Schwedischen Krimipreis. Wahlöö war zweimal verheiratet. 1961 lernte er Maj Sjöwall kennen, mit der er ab 1963 zusammenlebte. Das Paar hatte zwei Kinder. 1975 starb Per Wahlöö in Malmö an einer Krebserkrankung.
Ende der 1950er Jahre entstanden als erste literarische Arbeiten zunächst Fernseh- und Radiospiele. 1959 erschien Wahlöös erster Roman Himmelsgeten, der auch unter dem Titel Hövdingen veröffentlicht wurde (deutscher Titel: Foul Play). Es folgten Lastbilen (1962, dt. Das Lastauto) und Uppdraget (1963, dt. Libertad!), mit dem Verhältnis des Individuums zur politischen Macht als durchgängiges Thema, das auch in Generalerna (1965, dt. Die Generale) wiederkehrt. In Mord på 31:a våningen (1964, dt. Mord im 31. Stock) und Stålsprånget (1968, dt. Unternehmen Stahlsprung) bedient sich Wahlöö der Form des Kriminalromans.
Seit 1961 arbeitete Per Wahlöö mit Maj Sjöwall zusammen. Die beiden Autoren versuchten, ihre gemeinsamen politischen Ansichten über die schwedische Gesellschaft literarisch zu verarbeiten und so auch Bevölkerungskreisen näher zu bringen, die sich in der Regel selten an politischen Debatten beteiligten. Als Vorbild dienten ihnen die police procedurals, die Polizeiromane von Ed McBain, insbesondere dessen Reihe um das 87. Polizeirevier, die Wahlöö ins Schwedische übersetzt hatte. Sie entwarfen die Kriminalromanserie Roman om ett brott (dt. Roman über ein Verbrechen) als gesellschaftskritische Plattform. Diese Serie um den Polizisten Martin Beck wurde besonders populär. Nachdem 1993 und 1994 bereits sechs der zehn Romane um Martin Beck verfilmt worden waren, begann man 1997, acht neue Filme zu produzieren. Da die Geschichten nun lediglich auf den Motiven der erfolgreichen Bücher des schwedischen Autorenpaares Sjöwall und Wahlöö rund um die alten Romanfiguren basierten, wurde die Serie unter dem Namen ‚Kommissar Beck – Die neuen Fälle‘ vermarktet. Während bei der ersten Staffel noch Das Erste der Gemeinschaftspartner war, lief die Serie ab der zweiten Staffel in Deutschland im ZDF, das auf den Titelzusatz ‚Die neuen Fälle‘ verzichtete. Peter Haber erlangte mit der Darstellung des Martin Beck internationale Bekanntheit, da die Serie in viele Länder verkauft werden konnte.
Mit ihrer Reihe ‚Roman über ein Verbrechen‘ gelten Maj Sjöwall und Per Wahlöö als „Eltern“ des skandinavischen, sozialkritischen Kriminalromans bzw. als Pioniere des Skandinavienkrimis oder Schwedenkrimis (linkes Bild: Wappen der schwedischen Reichspolizeileitung – Quelle: Wikimedia/Koyos). Sie sind die historischen Vorreiter der Erfolgswelle skandinavischer Kriminalromane und waren wegweisend für eine Generation schwedischer Kriminalschriftsteller nach ihnen (Quelle: verschiedene Wikipediaseiten).


