Selbstgewürzter Schnaps (Tipp 1/26)
In Schweden gibt es nicht nur eine langjährige Tradition der Schwarzbrennerei (hembränning), die allerdings seit dem EU-Beitritt Schwedens im Jahr 1995 stark abgenommen hat (1338 angemeldete Fälle in 1995 vs. 94 Fälle in 2015), sondern auch die sympatische und völlig legale Tradition des selbst Würzens von Schnaps (snaps bzw. brännvin). Hierbei geht man in der Regel von neutral schmeckendem Schnaps, wie Korn oder Wodka, aus, dem man dann ganz nach Anlass (z.B. passend zum Mittsommer- oder Weihnachtsessen) oder persönlicher Vorliebe Kräuter, Früchte oder Gewürze zusetzt. Ein Schnaps, der mit mindestens einem der Gewürze Kümmel oder Dill versetzt ist und mindestens 37,5 Vol.-% Alkohol enthält, wird übrigens Aquavit (schwed. akvavit) genannt. Das linke Bild zeigt das Originaletikett von O.P. Andersson Aquavit aus dem Jahr 1891 (Quelle: Wikimedia/Carl August Andersson).
Das selbst Würzen von Schnaps ist eine schwedische Tradition, die ich gern übernommen habe. Je nach verwendeten Gewürzen kann man hier interessante Kombinationen mit unterschiedlichen Mahlzeiten realisieren (siehe hierzu den Artikel Akvavit – en del av vår kultur). Besonders bietet sich dabei das Kombinieren mit Fischgerichten (z.B. Janssons Versuchung oder auf schwedische Art eingelegter Hering) oder als Begleitung eines Krebsfestes (kräftskiva) an. Bei Feiern in größerer Runde kommt in diesem Zusammenhang noch eine weitere sehr löbliche schwedische Tradition zum Tragen: das Singen von Schapsliedern (snapsvisor). Hier verweise ich jetzt noch auf ein paar Links mit guten Anregungen zum Würzen: Krydda egen snaps, Att Krydda Brännvin, Gör eget kryddat brännvin till julen.
Wenn wir im Sommer im Urlaub in Schweden sind und im Garten oder am Wegrand das Johanniskraut (siehe rechtes Bild – Quelle: Wikimedia/H. Zell) gelb blüht, sammle ich gern die gelben Blüten und Knospen, um mir einen Schnaps namens Hirkumpirkum herzustellen, der bei passender Dosierung und hinreichend langem Durchziehen eine wunderbare rosarote Farbe aufweist und m.E. auch hervorragend schmeckt. Skål!


